Schreibwerkstatt

 
 „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Antoine de St. Exupery

 

Eine Schreibwerkstatt für Förderschüler? Texte von Jugendlichen mit einem Förderbedarf im Bereich Lernen? Kann das überhaupt gelingen?

Das Projekt „Schreibwerkstatt an der Förderschule Ried“ entstand aus einem Gespräch mit der Therapeutin und Künstlerin Ann Ida Müller. Wir überlegten gemeinsam, welche künstlerischen Aspekte wir mit unseren Schülerinnen und Schülern im Rahmen eines Projektes an unserer Schule umsetzen könnten. Ausgehend von den positiven Erfahrungen aus verschiedenen Schreibprojekten von Frau Müller an beruflichen Schulen fanden wir, dass unsere Schülerinnen und Schüler DAS auch können!

 

Bei der Vorstellung des Projektes „Schreibwerkstatt“ in den Klassenstufen 5-9 fanden wir dann auch sehr schnell viele begeisterte junge Autorinnen und Autoren, die unbedingt an diesem Projekt teilnehmen wollten. Entstanden ist eine Vielzahl von sehr guten und sehr einfühlsamen, meist biographischen Texten. Die Texte erzählen von der Leichtigkeit des Seins bis hin zur Schwere des Lebens; von Freundschaft und Liebe, aber auch von der Erfahrung vom Tod geliebter Menschen.

 

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieser wertvollen und spannenden Texte viel Spaß beim Lesen und den Texten unserer Autorinnen und Autoren die gebührende Aufmerksamkeit.

 

Klaus Kammerlander

Schulleiter

DAS BIN ICH DAS IST ECHT - Das Buch

2012 erschienen.

Der "Bestseller" der Förderschule Ried "Das bin ich, das ist ECHT" mit Texten aus der Schreibwerkstatt an unserer Schule.

Erhältlich im Sekretariat.

Der Erlös kommt unserem Förderverein zugute.

TEXTE AUS DER SCHREIBWERKSTATT

TEXTE AUS DER SCHREIBWERKSTATT DER FÖRDERSCHULE RIED

 

Das bin Ich



Ich war schon immer schüchtern,
das weiß ich selbst, ich will es ändern.
Deswegen brauch ich dich, du weißt es aber nicht.
Ich will es dir sagen, aber du hörst mir nicht zu,
nicht zu, nicht zu,…

Das ist echt, das bin ich,
ich will dir nur sagen, wie ich bin,
im hellsten Licht.
Verstehst du es nicht,
wie ich dich brauch in meinem Leben
um die Schüchternheit zu besiegen.

„Das bin ich“

Du bist der, den ich brauch im Leben
Du bist der hellste Stern am Himmel,
den ich jeden Tag seh, doch du merkst es nicht,
wie ich dich vermiss und wie ich mich fühl

Das ist echt, das bin ich,
ich will dir nur sagen, wie ich bin,
im hellsten Licht,
verstehst du es nicht
wie ich dich brauch in meinem Leben
um die Schüchternheit zu besiegen

„Das bin ich“


Nina,  15 J.

 

 

Der Schmerz in mir


Ich war 8 Jahre alt, war klein und süß und wir feierten abends den Geburtstag meines Vaters. Ich und mein Vater lachten viel zusammen, wir waren immer füreinander da.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte und  die Treppe hinunterging, in meiner Hand  meinen Teddy in der anderen meine Kuscheldecke, der Schock meines Lebens.
Ich war zwar erst 8 Jahre alt, aber ich wusste genau was passiert war – ich ging Schritt für Schritt auf meinen Vater zu, ich habe mich neben ihn gelegt und wollte ihn aufwärmen, er war eiskalt und bleich. Ich stand auf und ging die Treppe hoch und holte meine Bettdecke, danach rannte ich wieder zu meinem Vater und wollte ihn aufwärmen.
Aber meine Mutter zog mich von ihm weg, ich schrie und schlug um mich, ich schrie aus letzter Kraft  Paaaapaaa  Neinnnnn! Meine Mutter zog mich in die Küche und schloss mich dort ein, ich musste zusehen wie er abgeholt wurde und konnte mich nicht verabschieden.

Ich wurde von Jahr zu Jahr immer aggressiver und der Schmerz in mir fraß mich auf. Nach einer Weile war ich innerlich zerfressen und fing an mich zu ritzen, erst ein Schnitt, dann der zweite und immer tiefer…

Nach einigen Jahren fand ich andere Freunde, ich hatte anderen Umgang und hörte auf mich zu ritzen, ich wollte mein Leben in den Griff kriegen. Nun war ich 15 Jahre alt und mein Leben war immer noch nicht das was ich mir wünschte.
Da bekam ich von meiner Mutter mitgeteilt, dass ich, wenn ich die Schule hinter mir habe, das alles hier aufgeben muss. Ich wollte das nicht, ich sträubte mich dagegen, ich wollte nicht mein Leben aufgeben, meinen Freund, meine Freunde, meine beste Freundin Silke und ihre Hunde. Ich will nicht von dort weg. Ich bleibe, egal was kommt.
Mein Herz wohnt nicht dort sondern hier.
Ich bleibe.

Angie, 15 J.

 

 

 

Der Tod meines Onkels



Heute ist der 19.März
Ich komme zu meiner Oma und frage sie wie es ihm geht. Sie sagte es geht ihm nicht so gut. Ich mache mir Sorgen, fahre gleich zu ihm hin und schaue nach ihm. Er sagt zu mir es gehe ihm gar nicht gut. Als ich ihn frage was er hat, sagt er er habe starke Kopfschmerzen und ihm sei schlecht.
Ich lasse ihn alleine, denn ich muss heim. Ich habe Angst um ihn und in der Nacht mache ich mir natürlich Sorgen.

Heute ist der 20.März
Es geht ihm immer noch schlecht, ich mache mir immer noch Sorgen, denn ich kann ihm nicht helfen. Er sagt ich soll mir keine Sorgen machen, aber das geht mir nicht aus dem Kopf. Ich war schließlich jeden Tag bei ihm. Ich gehe heim, ich muss arbeiten und habe Angst, dass ihm was passiert.

Heute ist der 21.März
Sein Zustand bessert sich nicht. Ich frage ihn, ob es ihm besser geht, aber er sagt es gehe ihm immer noch nicht gut. Ich gehe in die Apotheke, um ihm ein Medikament zu holen, ich gebe es ihm und danach geht es ihm besser. Ich bin froh als ich gehe. Ich muss zur Feuerwehrprobe und habe ein gutes Gefühl. Nach der Probe bleibe ich noch länger, wir trinken noch was. Ich bekomme eine sms, ich soll nach hause kommen, meinem Onkel geht es wieder schlechter. Hört das denn nicht mehr auf?!

Heute ist der 22.März
Ich komme zu meiner Oma, da steht schon der Krankenwagen. Ich denke noch jetzt ist alles vorbei, da bekomme ich einen Anruf vom Krankenhaus, es würde wieder besser werden. Ich freue mich.

Heute ist der 23.März
Es geht ihm schon den ganzen Tag gut, ich bin voll guter Hoffnungen.

Heute ist der 24.März
Mein Geburtstag. Ich komme von der Schule heim und bevor ich meine Geschenke auspacke, will ich noch schnell im Krankenhaus anrufen und fragen wie es ihm geht. Doch meine Eltern stoppen mich – ich weiß nicht warum.
Sie sagen mir mein Onkel verstarb im Alter von 70 Jahren in der Nacht vom 23. auf den 24.März an einem Blutgerinnsel im Hirn.
Mein Geburtstag ist gelaufen, mir geht’s schlecht. Ich höre RAMMSTEIN. Es geht mir ein klein wenig besser, weil ich weiß er hat nun keine Schmerzen mehr.
Ich werde dich vermissen.
Dein kleiner Neffe.


Luis Viton,  16 Jahre

 

 

Der Wind


Der Wind weht mir durch die Haare.
Ich schließe die Augen und rieche deinen Duft.
Der Wind hat ihn zu mir getragen
Er spielt mit mir
Genauso wie du.
Er darf mich berühren
Er ist der Einzige.
Der Wind weht an mir vorbei
Ich öffne meine Augen.
Es war nur ein Traum
Du bist zu weit weg.
Der Wind ist fort gegangen
Um mich wieder in die Welt zu bringen,
die ich zuvor sah.
Doch ich hoffe
Dass ich bald für immer
TRÄUME


Angie, 15 J.

 

 

Kommt meine Gefährten


Der Einstieg in die Gamerwelt läuft meistens über Geschwister oder Freunde.
Nehmen wir mal World of Warcraft als Beispiel, es ist wohl in Europa und den USA das meistverkaufte Online Rollenspiel unserer Zeit.
Wenn man erst mal in die virtuelle Welt des Spieles eingetaucht ist, ist es wie ein Sog, denn das Spiel basiert auf einem ganz einfachen System, das seinen Nutzer fesselt.
Und das geht so: Jeder freut sich ja über Geschenke, da es den Beschenkten glücklich macht. WOW macht es nicht anders, es belohnt seine Spieler mit Geschenken, die man durch das Erfüllen von sogenannten Quest manchmal bekommt.
Die Belohnungen steigern sich an Wert und Extras je höher das Level des Spielers wird.
Der Spieler ist dann so weit, dass er nicht aufhören will oder kann, da er immer besser und stärker werden will. So kreisen die Gedanken des Spielers schon mal am Morgen nur um sein Spiel und sich, wie der heutige Tag geplant wird und was ansteht.
Wenn man dann die höchste Stufe erreicht hat, wird es erst richtig heftig. Nun kommen Gilde, Raids (mehrere Leute, die sich zusammentun und wenn man böse sein will würde man sagen „Harte Schlachten um heiß begehrte Schätze zu erbeuten“, ja so in der Art, nur dass niemand sagt „Kommt meine Gefährten lasst uns den Bösen… niederringen“. Nein im Gegenteil, die Schlachtzüge werden genauestens geplant und die Sätze, die gesprochen werden sind meist die Abkürzungen englischer Wörter.
Die Sucht, die sich seit dem Einstieg immer mehr festigte, beherrscht nun das ganze Denken, wie ein Raucher braucht der Spieler Nachschub und so wird auch mal die eine oder andere Nacht zum Tag. (Allerdings machte nicht ich diese Erfahrung, sondern mein Bruder, da ich zu dieser Zeit noch der starken Kontrolle meiner Mutter unterlag.)
Dies macht sich bei den meisten dann auch in der Schule oder bei der Arbeit bemerkbar, da die Lust und Konzentration flöten geht, wenn man nicht schläft.
Das Endstadium der Sucht ist dann, wenn man sich komplett von der Außenwelt abgekapselt hat und meist bleibt der Zocker auch so.
Aber wo es die eine Art gibt, gibt es auch die andere Artt von Zockern, die ihre sucht doch relativ im Griff haben.
So, noch zum Bild des Zockers. Wie sieht er für euch aus? Ich denke mal  fett, faul, Augenringe bis zum Knie und unhygienisch?
Na ja das trifft vielleicht auf jeden millionsten Spieler zu.
Das Bild kann jeder sein, auch  Lehrer, Firmeninhaber, Rentner, Frauen…
Und von diesen genannten sind es nicht nur ein paar, sondern viele.

Professor Faceroll, 16 J.

 

 

Über mein wahres Leben


Hallo, ich bin wie jede Schülerin, nur etwas anders als die, die ihr kennt.

Zuerst dachte ich, es war ein Traum, doch dann doch nicht. Am Anfang war alles gut, ich habe mit fünf Jahren meine zwei Brüder umarmt, hab mit ihnen gelacht und geweint. Und dann habe ich noch wundervolle Eltern.

Und plötzlich mit 10 war meine Mama plötzlich weg, wie vom Erdboden verschluckt, verschwunden…denn sie war gestorben.

Und dann mit 13 wurde ich ein sehr schreckliches Kind.

Zuerst  habe ich nur meine Cousins beschützt. Meine zwei Cousins hatten sich mit einem Jungen geprügelt und beschimpft. Der Junge, mit dem sich meine Cousins angelegt hatten, ist 10 Jahre alt. Ich wollte nur meine Cousins retten. Ich habe gesagt: “Lass sie in Ruhe!“
Ich mag alle meine 4 Cousins, ich würde sogar für sie sterben.
Der Junge sagte zu mir: “Lass mich!“ und dann hat er mich mit einem Messer bedroht. Dann fing es erst richtig an, ich war in der Pause und ein 4.Klässler kam und sagte: „Was möchtest Du dummes Kind?“.
Dann ich:“ Das sagt keiner zu mir, ich schwör Dir du beleidigst mich nicht mehr.“ Und ich hab ihn auf den Boden geworfen und auf ihn eingedroschen. Plötzlich habe ich ihn weinen gehört.
Später hat er wieder Scheiße gelabert, ich bin durchgedreht. Meine Kollegen haben mich festhalten wollen, aber ich habe Anlauf genommen, ihn gerammt und an die Wand gedrückt.

Ein  Jahr später war wieder ein Junge frisch auf der Schule und sagte zu mir: „Gib mir morgen 5 Euro oder du überlebst den Tag morgen nicht mehr.“…

Selena Gomez, 14 J.

 

 

Der Tod von meinem Opa


Ich schreibe von meinem Opa, der vor acht Jahren verstorben ist.
Ich schreibe von ihm, weil ich mit ihm sehr viel Spaß hatte. Er ist mit meinen Cousins uns Cousinen, meinem Bruder und mir immer ins Mc Donalds gefahren.
Es hat mir sehr wehgetan, dass mein Opa gestorben ist. Ich habe sehr stark geweint, weil er der einzige zuverlässige Mann in der Familie war und er allen sehr fehlt.
Seitdem er nicht mehr bei uns ist, unternimmt  niemand mehr so viel mit uns.
Ich habe mal bei meinen Cousins übernachtet und wir haben viel über unseren Opa geredet. Danach hat einer meiner Cousins angefangen zu weinen, ich habe dann auch angefangen zu weinen. Wir haben darüber geredet, wie viel Spaß wir mit ihm gehabt haben.
Das war die schlimmste Zeit meines Lebens.



Richard, 14 Jahre

 

Liebesgefühle


Ich bin schon sehr lange mit meinem Freund zusammen und ich bin verdammt glücklich mit ihm.
Als ich mit ihm zusammengekommen bin, war es so schön, ich war locker und ich hatte ganz viele Schmetterlinge im Bauch…es war einfach sooo schön.
Er ist im Sommer immer zu mir gekommen, wir sind Fahrrad gefahren an den Baggersee. Manchmal waren wir bei mir und dann haben wir uns geküsst, das war so ein schönes Gefühl. Ich wünsche mir, dass er mir vertraut und mich nicht betrügt.
Ich liebe ihn einfach über mein ganzes Herz!
Ich telephoniere jeden Tag mit ihm, das ist einfach so schön und freitags freu ich mich am meisten, weil ich dann oft zu ihm gehe oder er zu mir kommt. Das macht mich so glücklich.


Miley Cyrus, 15 J.

 

 

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